Josef Kiening: Häuser und Familien im Gebiet nordwestlich von München

Kurioses aus der Familienforschung

1989 antwortete ein Pfarrer im Bayerischen Wald auf meine Anfrage  unter anderem: "Die Familienforscher sind besessen."

Andere halten die Familienforschung für eine ansteckende unheilbare Krankheit.

Damals ging es nur um die eigenen Vorfahren. Inzwischen hat die Familienforschung mit dem Internet eine ganz andere Dimension. Das ergibt manchmal kuriose Ergebnisse:

Ein älterer Herr in New York ("Veteran des Korea-Krieges") namens Maul entdeckte seinen Namen in meinen Daten. Er konnte zwar kein Deutsch, hatte aber aus Archiven in der Oberpfalz weitere Vorfahren erfahren, die ich noch nicht kannte. Freundlicherweise überließ er mir die Daten und bei mir kamen sie ins Internet.  Bald darauf entdeckte er die gleiche Darstellung auf einer amerikanischen Internetseite, aber anstelle seines Namens "Maul" stand da auf englisch  "Schnauze". Darüber war er sehr erbost. Nur mit Mühe konnten wir ihn überzeugen, dass dies keine Bosheit von uns war, sondern dass die Daten von einem dummen Übersetzungsprogramm verstümmelt wurden.

Amerikaner lernen keine Fremdsprachen, sondern nehmen an, dass der Rest der Welt englisch lernt. Wenn trotzdem jemand wie ich etwas in einer anderen Sprache veröffentlicht, dann nimmt man ein Übersetzungsprogramm zu Hilfe.

Diese Programme sind gnadenlos und schrecken auch vor Personen- und Ortsnamen nicht zurück. Aus dem Ort Maisteig (nördlich von München, Pfarrei Haimhausen)  wird "corn paste", Mais-Teig.  Wer etwas zur Erheiterung will, kann meine Ortsliste übersetzen und wird sich wundern, was dabei heraus kommt.
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Ich hatte schon den Fall, dass sich Amerikaner bei mir gemeldet haben und zu Besuch kommen wollten, die nur ihren Namen in meinen Daten gefunden haben. Es hat sich dann heraus gestellt, dass sie nur ein kostenloses Quartier für den Oktoberfest-Besuch suchten.

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Die meisten Nachkommen in meinen Daten erreicht die Familie Langenecker, die 1635 einen von den Schweden abgebrannten Hof in Wiedenhof Pfarrei Vierkirchen wieder aufgebaut hat. Aufgrund der Nachkommen-Zahl, zur Zeit (2018) sind es 9400 wollte ein Herr die Adressen dieser Nachkommen von mir bekommen. Er hatte nicht bemerkt, dass die bei mir genannten Personen alle schon gestorben sind. Schließlich stellte es sich heraus, dass er ein Verkäufer von Gen-Tests war, der hier einen ganz großen Auftrag witterte.

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Selbstverständlich sind wir und jeder andere Familienforscher bestrebt, fehlerfrei zu arbeiten.  Nur die  alten Handschriften in den Archivalien wie Pfarrbücher sind oft nicht eindeutig. Vor allem konnte der Pfarrer oder Schreiber vor Jahrhunderten nicht ahnen, wie heute ein Personen- oder Ortsname geschrieben wird. Wenn  verschiedene Forscher die gleichen Archivalien auswerten, führt das immer zu unterschiedlichen Ergebnissen.
Unsere Kunst, Erfahrung mit verschiedenen Archivalien und Ortskenntnis setzen wir ein, um diese Variationen zu bereinigen und eindeutige Familiendaten daraus zu erstellen. Es gelingt nicht immer.

Viele Forscher  tippen dann die Daten bei mir ab und speichern sie in meist amerikanischen Sammelsystemen. So lange jeder nur  bei mir abschreibt und keine Fehler macht,  erzielt er einen großen Grad an Übereinstimmung mit anderen, die das selbe tun. Je öfter die gleichen Daten bei mir abgeschrieben werden, um so mehr sind sie "wahr".
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Jahrzehntelang hielt ich Standesamt-Urkunden für eindeutig,  bis ich jetzt versuchte, ein Bündel davon abzuschreiben. Bei einigen Namen lag ich sehr daneben. Oft schaut der Anfangsbuchstabe schon aus wie ein Wollknäuel. Mit falschem Anfangsbuchstaben hat man im Namensregister keine Chance.
Es geht nicht darum, genau ab zu schreiben, was da steht, sondern was da stehen soll.
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Bekanntlich gibt es in der Bayerischen Sprache Laute, für die es keine Buchstaben gibt; Beispiel das oa und a in Oachkatzl (Eichkätzchen) .  Die Phonetik in Schrift um zu formen, war schon immer ein Problem.

Dazu kommt, dass bei uns die deutsche Phonetik zunehmend von der amerikanischen verdrängt wird.
Sprechen künftige Generationen den Namen Huber als Haber aus  und Blank als Bleng ?  Stöhnen Sie jetzt nicht !
Meine kleine Enkelin hatte beim Lesen lernen große Probleme mit dem Dabbelju-W . Das hat sie irgendwo aufgeschnappt und wir brachten es nicht mehr heraus aus ihrem Kopf.

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(C) Josef Kiening, zum Anfang www.genealogie-kiening.de